Wir schreiben den 22. März 2025, haben bestes Wetter – und einen guten Grund, nach Oberhausen in die Turbinenhalle zu pilgern. Das Etropolis Festival hat mit einem starken Line-up lange genug auf sich warten lassen.
Tickets? Fehlanzeige. Ausverkauft. Das bedeutet, dass es im Laufe des Tages ziemlich kuschelig wird, sobald die Bands loslegen.
Um 13 Uhr öffnen sich die Hallen. Die wartenden Menschen kommen zügig hinein, decken sich mit Wertbons ein und stöbern schon an den Merchständen.
Für das kulinarische Wohl ist ebenfalls gesorgt: Es gibt Kuchen, Waffeln, Asia-Nudeln, Burger und mehr. Natürlich auch vegetarische und vegane Alternativen.
Neben den Gastroständen finden sich auch ein paar Marktstände mit Schmuck, Platten, weiterem Merch – und, und, und …
Genug vom Drumherum – kommen wir zu den wichtigen Themen des Tages: den Bands.
ELM
ELM eröffnen das Festival. Das von Peter Elm gegründete EBM-Projekt hämmert den frühen Vögeln, die es schon in die Halle geschafft haben, das letzte bisschen Müdigkeit aus den Knochen – und sorgt direkt für gute Stimmung.
Ich habe es mir in der Nähe des Soundpults gemütlich gemacht und die erste Show auf mich wirken lassen – ich hatte ELM noch nie live gesehen. Auf jeden Fall war es ein guter Opener, auch wenn der Sound nicht bei 100 % war.
Ich meine damit nicht die Band oder den Musikgeschmack, sondern die Technik. Einige Fans kritisierten das ebenfalls – scheinbar ist die Anlage eher auf die Mainacts ausgelegt. Spaß gemacht hat es trotzdem.
Nach 40 Minuten ist das Set vorbei, und der Umbau für die nächste Band beginnt. Also ab an die Bar – und kurz an die frische Luft, die Sonne genießen. Klingt falsch für die schwarze Szene, aber wer bedient heute noch Klischees?
ALIENARE 
Als Nächstes steht Sport auf dem Programm.
Viele begeisterte Fans mit neongrünen Accessoires fiebern schon seit Beginn der Veranstaltung darauf hin – die Rede ist natürlich von ALIENARE, einer Band, die mittlerweile wohl jedem in der Szene ein Begriff ist.
Um 15 Uhr steigt die Party – und alle müssen mitmachen. ALIENARE ist eine Mitmachband. Die Theorie mit dem schwachen Sound bestätigt sich leider, aber trotzdem wird das Tanzbein geschwungen, die Arme gehoben und fleißig mitgeklatscht.
Die Überraschung des Sets: T.Drmx ohne Maske. Im kürzlich veröffentlichten Video zum Song „Lighthouse" war das ebenfalls schon zu sehen.
Der zweite Teil der Tour zu ihrem aktuellen Album „Lumen" steht ebenfalls bald an. Wer beim ersten Teil im letzten Jahr nicht dabei war, sollte sich jetzt beeilen – Erfurt ist fast ausverkauft!
ALIENARE – Lumen Tour 2025:
11.04. Lübeck, Rider's Café
12.04. Erfurt, Predigerkeller (Low Tickets!)
09.05. Potsdam, Lindenpark
10.05. Cottbus, Muggefugg
17.05. Karlsruhe, Die Stadtmitte
23.05. Hameln, Sumpfblume
24.05. Krefeld, Kulturfabrik (Tourfinale!)
Auch wenn der Sound nicht optimal abgemischt war, tat das der Stimmung keinen Abbruch. Die Show war wie immer ein Highlight, und ich hätte mir einen späteren Timeslot gewünscht – einfach, um ein paar Minuten mehr zu haben.
Normalerweise sieht man die Band nach dem Konzert am Merchstand für Gespräche, Fotos und Autogramme. Ich habe mich erst gewundert, warum das diesmal nicht der Fall war, aber gegen Abend nahmen sich die drei nochmal extra viel Zeit – und wurden natürlich von alten und neuen Fans in Beschlag genommen.
Es ist eben ein Festivaltag – da haben auch Bands ihre To-Do-Liste. Und wer möchte nicht auch selbst den Auftritt der anderen Bands sehen?
RUE OBERKAMPF
Nach der nächsten Umbaupause betreten Rue Oberkampf die Bühne.
Die Münchener Elektroband wurde 2016 von Julia de Jouy, Oliver Maier und Damien De-Vir gegründet – und klingt nach einer spannenden Mischung aus Darkwave mit Technoeinflüssen.
Die Bandmitglieder hatten sich vor der Gründung bereits als DJs einen Namen gemacht – und waren so manchem vorher schon ein Begriff. Dazu kommt Gesang auf Deutsch, Englisch und Französisch.
Interessant fand ich, dass einige Fans die Band mit den Urgesteinen von Kirlian Camera verglichen – und das ist gar nicht so weit hergeholt.
Nach 40 Minuten ist auch dieser kurzweilige Auftritt vorbei – und es geht in die nächste Umbauphase.
EMPATHY TEST
Die britische Band Empathy Test begeistert mit melancholischem, atmosphärischem Synthpop. Sänger Adam R. und Produzent „Test" bieten eingängige Melodien, elektronische Tiefgänge und Texte über Beziehungen, Verlust und menschliche Erfahrungen. 
Durch Touren mit VNV Nation, De/Vision oder Mesh wurden sie auch in Deutschland immer beliebter. Die Fans feiern die emotionale Tiefe – völlig zurecht.
AESTHETIC PERFECTION
Nun wird es lauter: Daniel Graves bringt mit Aesthetic Perfection Electro-Industrial-Energie auf die Bühne. Sein Sound verbindet Industrial, Synthpop und Darkwave – emotional, eingängig, energiegeladen.
Wer sie verpasst hat: Am 24.05.2025 spielen sie wieder in Oberhausen und am 25.05.2025 in Lübeck.
HOCICO
Wer noch Energie hat, braucht sie jetzt: Hocico. Härter wird's heute nicht.
Hocico aus Mexiko liefern brachialen Aggrotech und Industrial. Erk Aicrag wirbelt über die Bühne, feuert das Publikum an – pure Energie. Klassiker treffen auf neue Tracks, der Boden bebt, das Publikum tobt.
Es ist kaum zu fassen, wie voll die Halle plötzlich ist – auch die Langschläfer sind offenbar eingetroffen.
SOLAR FAKE
Sven Friedrich bringt mit Solar Fake melancholisch-melodischen Synthpop. Tiefgründige Texte, starke Beats und charismatische Performance sorgen für Gänsehautmomente. Nicht nur musikalisch ein Highlight – Sven ist ein Liebling des Publikums.
MESH
Zum Abschluss des Liveprogramms: Mesh. Die britischen Synthpop-Veteranen liefern gefühlvolle Songs, elektronische Brillanz und starke Emotionen. Ein würdiger Abschluss für einen großartigen Festivaltag.
TENSION CONTROL 
Wir wechseln mal die Bühnen. Weiter geht's mit Tension Control – EBM mit Darkwave-Anklängen. Treibend, tanzbar, intensiv.
ORANGE SECTOR
Nach kurzer Umbaupause übernehmen Orange Sector. Die deutschen EBM-Veteranen liefern Oldschool-Power und setzen ein Zeichen.
CHROM 
Die Halle wird voll – sehr voll. Niemand darf mehr rein. Chrom lässt sich scheinbar keiner entgehen. Eng, heiß, euphorisch. Neue Songs machen Hoffnung auf ein Album. Bei „Paralysed" bricht Jubel aus. Nach 40 Minuten ist Schluss – Luft holen!
THE INVINCIBLE SPIRIT 
Die 80er leben! „Push!" darf nicht fehlen. Endlich ein 50-Minuten-Set – Nostalgie pur mit zeitloser Energie.
SPETSNAZ 
Die Schweden bringen harten EBM mit militärischer Ästhetik. Keine neuen Releases, aber dafür volle Energie. Treibende Beats und klare Message – kompromisslos gut.
ROTERSAND 
Zum Abschluss der zweiten Bühne: Futurepop von Roter Sand. Rascal Nikov und Krischan Wesenberg liefern ein letztes Mal alles. Ein krönender Abschluss.
Nach diesem fulminanten Tag beginnt die Vorfreude auf 2026. Bereits angekündigt:
- Zweite Jugend
- Vanguard
- Fix8:Sed8
- Ultra Sunn
- Welle:Erdball
- Combichrist (Oldschool-Set)
Tickets? Schnell sichern – 2025 war ausverkauft.
Wer nicht warten kann: USF2025 am 17. Mai (ausverkauft) und das Amphi Festival am 19./20. Juli (Tickets verfügbar).
Wir freuen uns auf die Horizontale – und einen ruhigen Sonntag.
Bis nächstes Jahr, Etropolis!
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