BURN
Den Auftakt des Abends übernahmen BURN – und bereits nach wenigen Minuten wurde klar, dass hier deutlich mehr als eine klassische Vorband auf der Bühne stand. Statt brachialer Härte setzte die Band vor allem auf Atmosphäre, melancholische Gitarrenflächen und eine düstere Emotionalität, die stellenweise stark an die großen Zeiten von The Cure erinnerte. Vor allem die Kombination aus verträumten Melodien, kühlen Wave-Elementen und diesem leicht schwebenden Gitarrensound verlieh dem Auftritt einen angenehm nostalgischen Charakter.
Mit „ANOMALY“ eröffneten BURN ihr Set zurückhaltend, aber intensiv. „LOCUST“ und „GREY“ bauten die Stimmung weiter aus und ließen die Matrix langsam in eine dunkle Post-Punk- und Wave-Atmosphäre eintauchen. Dabei wirkte die Band nie übertrieben dramatisch oder künstlich düster – vielmehr lag die Stärke von BURN genau in dieser melancholischen Eleganz, die sich durch den gesamten Auftritt zog.
Besonders bei „WHY DON’T YOU“ wurde die Nähe zu klassischem Dark Wave und Bands wie The Cure spürbar. Die Gitarrenlinien wirkten teils fast verträumt, während der Gesang eine angenehm melancholische Kälte transportierte. Dazu kamen diese typischen schwebenden Klangflächen, die den Songs viel Raum gaben und den Auftritt angenehm cineastisch wirken ließen.
Mit „KALEIDOSCOPE SKIES“ und „THE NEGATIVE ME“ wurde das Set zunehmend emotionaler. Gerade diese Songs lebten weniger von Härte als vielmehr von Atmosphäre und Stimmung. BURN verstanden es hervorragend, eine dichte Klangwelt aufzubauen, die das Publikum langsam in ihren Bann zog, ohne dabei jemals aufdringlich zu wirken.
Einen besonders starken Abschluss lieferten schließlich „GHOST“ und „THE POURING RAIN“. Vor allem letzterer Song wirkte wie ein melancholischer Abspann für einen Support-Auftritt, der perfekt zum späteren Heimataerde-Konzert passte. Während Heimataerde später die große düstere Ritualästhetik auffuhren, eröffneten BURN den Abend eher wie der Soundtrack eines verregneten Gothic-Films der 80er – kühl, dunkel, melancholisch und voller Atmosphäre.
Damit erwiesen sich BURN als idealer Opener des Abends: weniger martialisch als Heimataerde, dafür aber tief im klassischen Dark Wave und melancholischen Alternative Rock verwurzelt – und genau deshalb ein stimmungsvoller Einstieg in einen ohnehin außergewöhnlich düsteren Konzertabend.
Heimataerde
Mit Heimataerde zog am Samstagabend nicht einfach nur eine Band in den Rockpalast der Matrix Bochum ein – vielmehr wirkte es, als hätte sich ein düsteres Kapitel mittelalterlicher Legenden direkt auf die Bühne verirrt. Zwischen Nebel, hämmernden Industrial-Beats, sakralen Klangflächen und schwerem Licht entstand schnell jene besondere Atmosphäre, für die Heimataerde seit Jahren stehen: irgendwo zwischen Kreuzzug, Endzeitvision und Vampirmythos - aber mit Bass.
Bereits der Opener „Kadavergehorsam“ machte klar, dass der Abend keine halben Sachen dulden würde. Druckvoll und kompromisslos schob sich der Sound durch die Halle, bevor „Der Verfall“ und „Gotteskrieger“ die düstere Reise weiterführten. Gerade letzteres entfaltete live eine fast schon bedrohliche Wucht, während Sänger Ashlar die Bühne wie ein Prediger aus einer vergessenen Zeit beherrschte. Die schweren Rüstungsfragmente, das kalte Licht und die martialische Ästhetik wirkten dabei nie aufgesetzt, sondern wie ein fester Bestandteil der Welt, die Heimataerde erschaffen haben.
Dass Heimataerde ihren Namen nicht zufällig trägt, erklärte uns Sänger Ashlar nach dem Konzert selbst – und plötzlich ergab vieles noch mehr Sinn. In alten Vampirlegenden heißt es, dass der Untote nur in der Erde seiner Heimat ruhen kann. Fern der eigenen „Heimaterde“ verliert er seine Kraft, bleibt ein rastloser Wanderer zwischen Leben und Verdammnis. Besonders bekannt wurde dieses Motiv durch Bram Stokers „Dracula“, in dem der Vampir sogar Kisten voller Erde aus Transsilvanien mit sich führt, um überdauern zu können.
Genau dieses Bild scheint auch über Heimataerde zu schweben: Düstere Kreuzritterromantik, staubige Schlachtfelder, Untote auf ewiger Reise und die Sehnsucht nach einem letzten Ort der Ruhe. Der Bandname wirkt dadurch nicht einfach nur dunkel oder martialisch, sondern beinahe poetisch – als Symbol für Herkunft, Fluch und die ewige Bindung an vergangene Zeiten. Und während Nebel, harte Beats und mittelalterliche Klangwelten über die Bühne zogen, hatte man stellenweise tatsächlich das Gefühl, einem uralten Mythos beizuwohnen und nicht einfach nur einem Konzert.
Mit „Bei meiner Ehr“, „Tanz“ und dem mächtigen „König von Thule“ wechselte die Stimmung immer wieder zwischen kämpferischer Härte und beinahe melancholischer Dunkelromantik. Gerade „Vergesst uns nicht“ entwickelte eine intensive Wirkung und zeigte einmal mehr, dass Heimataerde weit mehr sind als reine Industrial-Härte. Hinter all den martialischen Bildern steckt immer auch Melancholie, Erinnerung und Vergänglichkeit.
Doch natürlich durfte auch der brachiale Teil des Abends nicht fehlen. „Wie ein Tier“, „Gib mir“ und vor allem der neue Titeltrack „Todeswille“ ließen die Matrix erbeben. Die neuen Songs fügten sich dabei nahtlos in das Gesamtbild der Band ein: kalt, schwer, düster und gleichzeitig hymnisch. Bei „Hick Hack Hackebeil“ und „Dark Dance“ wurde es dann endgültig ekstatisch – die Menge tanzte, stampfte und feierte die Band mit sichtbarer Begeisterung.
Einen der emotionalsten Momente des Abends lieferte „Pilgerlied“, bevor Heimataerde mit „Lebloser Körper“ erneut die dunkle Seite ihrer Klangwelt aufrissen. Als schließlich „Pater Noster / Heimataerde“ erklang, schloss sich der Kreis des Abends beinahe perfekt. Die Mischung aus sakraler Atmosphäre, elektronischer Härte und mittelalterlicher Bildsprache bündelte noch einmal alles, wofür die Band steht.
Mit „Gottgleich“ verabschiedeten sich Heimataerde schließlich aus der Bochumer Matrix – nicht wie eine gewöhnliche Konzertband, sondern eher wie eine düstere Prozession aus einer längst vergessenen Zeit. Zurück blieb das Gefühl, nicht einfach nur Musik gehört zu haben, sondern Teil eines finsteren Rituals gewesen zu sein.
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