Sonntag
Der Sonntag entschädigte schließlich für das wechselhafte Wetter der ersten beiden Tage. Bei deutlich freundlicheren Bedingungen konnten Besucher und Bands den letzten Festivaltag genießen.
Unterschicht
Eine Band, die man leider nicht mehr allzu häufig auf Festivalplakaten findet. Umso größer war die Freude vieler Besucher, Unterschicht wieder live erleben zu können. Der Auftritt gehörte für zahlreiche Gäste zu den Höhepunkten des gesamten Wochenendes.
CVNX
CVNX eröffneten den letzten Festivaltag auf der Garden Stage und sorgten bereits am frühen Nachmittag für Bewegung vor der Bühne. Die Band lieferte einen gelungenen Auftakt in einen Sonntag, der noch einige Höhepunkte bereithalten sollte.
Antibody
Wer bei Antibody ein klassisches Set erwartet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Stattdessen gab es erneut das inzwischen legendäre Venganoize-Programm. Während einige Besucher das Geschehen zunächst etwas ungläubig beobachteten, ließ sich der Großteil des Publikums begeistert auf die Show ein.
Spätestens als sich eine Polonaise durch die Menge bewegte, war klar, dass hier weniger Konventionen als vielmehr der gemeinsame Spaß im Vordergrund standen. Unterstützt wurde das Set durch zahlreiche Gastauftritte aus der Szene, darunter Jay Taylor von j:dead sowie Björn Miethe von System Noire.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte dabei Jay Taylor, der kurzerhand die Bühnentraverse erklomm und damit für staunende Gesichter vor der Bühne sorgte. Solche Momente erlebt man selbst auf Festivals nicht alle Tage. Das Publikum feierte die ungewöhnliche Mischung aus Party, Selbstironie und elektronischer Musik begeistert.
j:dead
Auch unabhängig von seinen Gastauftritten wusste j:dead zu überzeugen. Jay Taylor präsentierte sein Projekt mit viel Energie und sichtbarer Spielfreude. Die Mischung aus modernen Rock- und Alternative-Einflüssen, elektronischen Elementen und einer starken Bühnenpräsenz sorgte dafür, dass der Auftritt beim Publikum durchweg positiv aufgenommen wurde.
Phosgore
Phosgore brachten kompromisslose Harsh-Electro-Klänge nach Busenwurth und lieferten einen druckvollen Auftritt ab, der besonders die Freunde härterer elektronischer Musik begeisterte.
Tyske Ludder
Für mich persönlich gehörte Tyske Ludder zu den absoluten Höhepunkten des Wochenendes. Seit Ende der 1980er Jahre gehören Tyske Ludder zu den wichtigsten Vertretern der deutschen EBM-Szene. Mit Klassikern wie „Canossa“ oder „Panzarstaat“ haben sie sich längst einen festen Platz in der Szenehistorie gesichert. Umso schöner war es, die Band wieder live erleben zu können, da ihre Auftritte inzwischen deutlich seltener geworden sind.
Auch bei Tyske Ludder spielte Nebel eine tragende Rolle. Über weite Strecken waren die Musiker lediglich als dunkle Silhouetten und Umrisse auf der Bühne auszumachen. Zusammen mit den treibenden Beats und den markanten Songs entstand dadurch eine Atmosphäre, die hervorragend zur Musik passte.
Bemerkenswert war außerdem, dass die Musiker bereits vor ihrem eigenen Auftritt auf dem Gelände unterwegs waren und andere Bands unterstützten – ein schönes Beispiel für die familiäre Stimmung des gesamten Wochenendes.
Funker Vogt
Den Abschluss des musikalischen Programms übernahmen Funker Vogt. Die Band präsentierte sich in hervorragender Form. Besonders der mittlerweile fest etablierte Sänger überzeugte mit starker Stimme und großer Bühnenpräsenz und bewies eindrucksvoll, dass Funker Vogt auch in der aktuellen Besetzung bestens funktionieren.
Unterstützt von eindrucksvollen Feuereffekten entwickelte sich der Auftritt zu einem würdigen Finale des Festivalwochenendes. Die Flammen sorgten für zusätzliche Dynamik und bildeten gemeinsam mit den bekannten Songs den perfekten Abschluss der Konzertreihe.
Nach dem letzten Konzert wartete noch eine Überraschung auf die Besucher. Ein Feuerwerk erleuchtete den Nachthimmel über Busenwurth und bildete einen stimmungsvollen Abschluss eines gelungenen Festivalwochenendes.
Impressionen
Als wir am Montagmorgen die Heimreise antraten, lagen drei Tage voller Musik, Begegnungen und unzähliger Eindrücke hinter uns. Das Lucy Fairs Garden Festival hat erneut bewiesen, dass es nicht immer die größten Veranstaltungen sein müssen, um in Erinnerung zu bleiben. Gerade die kurzen Wege, die Nähe zwischen Bands und Publikum sowie die entspannte und familiäre Atmosphäre machen den besonderen Reiz dieses Festivals aus.
Die Verdopplung der Besucherzahlen innerhalb eines Jahres spricht eine deutliche Sprache. Dennoch hat sich das Festival seinen persönlichen Charakter bewahrt. Besucher, Musiker und Veranstalter begegnen sich auf Augenhöhe, und genau das spürt man an jeder Ecke des Geländes.
Für mich war es vor allem beeindruckend zu sehen, mit welcher Gelassenheit Besucher und Veranstalter den wechselhaften Wetterbedingungen begegneten. Ob mit Regenschirm vor der Bühne, tanzend im Regen oder gemeinsam lachend unter einem Pavillon – die gute Stimmung war an diesem Wochenende schlicht nicht kleinzukriegen.
Wenn das Lucy Fairs Garden Festival diesen Weg weitergeht, dürfte Busenwurth auch in den kommenden Jahren ein fester Treffpunkt der schwarzen Szene bleiben. Nach diesem Wochenende steht für mich jedenfalls fest: Die 850 Kilometer Anreise haben sich mehr als gelohnt.