
Endlich wieder Thale!
Nach 7 Jahren Pause meldete sich Unter dem Himmel zurück – und wie! Das traditionsreiche Bergtheater Thale im Harz feierte seine Wiedereröffnung mit einer runderneuerten Bühne, neu bestuhlten Rängen (nun 1.903 Plätze) – und einem Festival-Line-up, das aufhorchen ließ. Zum ersten Mal fand Unter dem Himmel an zwei Abenden statt – und war an beiden Tagen restlos ausverkauft. Musik, Melancholie und majestätisches Ambiente: ein perfekter Neustart. Aber die Treppen sind immer noch so steil, wie zuvor. Freitag – Schwarze Klassik unter Sternen
Freitagabend - Zuhören und Versinken
Der Freitagabend stand ganz im Zeichen eines außergewöhnlichen Konzepts: Sowohl VNV Nation als auch Diary of Dreams traten gemeinsam mit der Philharmonie Leipzig auf – und verwandelten das Bergtheater in eine Freiluftkonzert-Halle der Extraklasse.
Diary of Dreams
Diary of Dreams eröffneten den Abend. Die orchestralen Arrangements verliehen Klassikern eine neue, epische Tiefe. Adrian Hates, im Dialog mit den Musikern der Philharmonie, wirkte emotional und fokussiert. Die Streicher gaben der dunklen Poesie der Songs eine zusätzliche Dimension – zum Zurücklehnen, Zuhören und Versinken.
















VNV Nation
VNV Nation zogen danach alle Register. Der bereits in den Philharmoniekonzerten 2024 erprobte Aufbau funktionierte hier unter freiem Himmel noch eindrucksvoller. Ronan Harris agierte stimmlich auf den Punkt, das Orchester ergänzte den elektronischen Unterbau mit dramatischen Höhepunkten und die Atmosphäre im Theater war elektrisierend. Die Symbiose aus Maschine und Klassik funktionierte – emotional, eindringlich und vollendet inszeniert.

















Samstag – Elektronisch. Intensiv. International.
Auger
Den zweiten Festivaltag eröffneten Auger. Das britische Duo bewegt sich stilistisch zwischen Gothic-Rock, Darkwave und Elektro, wobei Frontmann Kyle Wilson mit dunkler Stimme und charismatischer Präsenz sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Songs wie „My Guardian“ oder „Oxygen“ wurden mit spürbarer Hingabe performt – düster, aber tanzbar, melancholisch, aber kraftvoll. Ein starker Start.























Bragolin
Es folgten Bragolin aus den Niederlanden, die mit ihrem Sound zwischen Post-Punk, Darkwave und Shoegaze punkten. Melancholische Gitarrenflächen, Hall-Effekte, analoge Synths – das Duo erzeugte eine fast filmische Atmosphäre. Vor allem die Stücke vom gefeierten Album Let Out the Noise Inside fügten sich nahtlos in die magische Kulisse des Harzes ein.












Northern Lite
Northern Lite, seit Jahren eine feste Größe zwischen Indie-Elektro und Clubsound, brachten dann ordentlich Energie auf die Bühne. Ihre Mischung aus treibenden Beats, Gitarreneinschüben und eingängigen Vocals zündete sofort. Songs wie „Go with the Flow“ oder „Enemy“ brachten das Publikum auf Touren – tanzbar, smart und mitreißend. Sänger Andreas Kubat bewies einmal mehr, dass auch elektronische Musik emotional sein kann.





























Diary of Dreams
Dann wurde es vertraut und groß: Diary of Dreams, heute in ihrer klassischen Besetzung, brachten Eleganz, Pathos und Tiefgang mit auf die Bühne. Adrian Hates, wie immer souverän und stimmlich stark, führte das Publikum durch emotionale Klassiker wie „Butterfly: Dance!“ oder „King of Nowhere“. Die Dramaturgie des Sets war klug gewählt, die Stimmung auf dem Höhepunkt – ein Konzert, das nachwirkte.















































































VNV Nation
Den Abschluss des Abends übernahm erneut VNV Nation – diesmal ohne Orchester, aber nicht weniger eindrucksvoll. Ronan Harris verstand es, mit seiner Mischung aus Futurepop, EBM und gefühlvollen Balladen die Menge zwischen Euphorie und Gänsehaut zu pendeln. „Illusion“ war einer dieser stillen Momente, während „Control“ oder „When is the Future?“ das Publikum zum Beben brachten. Eine energiegeladene Show, die zeigte, warum VNV Nation eine der bedeutendsten Bands der Szene ist.














































































Fazit – Unter dem Himmel 2025
Das Festival meldete sich nicht nur mit einem Paukenschlag zurück – es zeigte, was in der Szene möglich ist, wenn Leidenschaft, Mut zur Inszenierung und das richtige Line-up zusammenkommen.
Tag 1 war ein stilvoller Auftakt mit orchestraler Größe. Tag 2 bewies die internationale Strahlkraft von Elektronik, Darkwave und Indie in modernem Gewand. Das Publikum? Offen, textsicher, feierbereit – aber auch voller Respekt für die stilleren Töne.
Die Kombination aus Naturkulisse, frischer Technik, perfektem Sound und einem durchdachten Ablauf hat Maßstäbe gesetzt.
Unter dem Himmel ist zurück – und 2026 kann kommen. Wer da nicht wieder hin will, war wahrscheinlich nicht dort.