Harter Elektro unter dem Dach des Rockpalasts.
Am 26. September 2026 machte die ELECTRO EVIL RIOTS TOUR Halt in Bochum, und zwar an einem Ort, mit dem wohl nicht jeder gerechnet hätte: im Rockpalast. Harter Elektro in dieser Location war auch für uns eine Premiere, und entsprechend groß war die Neugier, wie das zusammenpasst.
Schon vor dem Einlass wurde es turbulent, denn zeitgleich lief ein weiteres Konzert in der Matrix. Die Warteschlange teilte sich erst an der Kasse, was bei manchen Gästen für kurze Verwirrung sorgte. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Die Fans beider Veranstaltungen waren bestens gelaunt, es wurde gequatscht und gelacht, und man freute sich über zahlreiche Zufallsbegegnungen. So verging die Wartezeit wie im Flug. Für einen besonderen Lacher sorgte ein Besucher, der aufgeregt meinte: „Guck mal, da sind die Jungs von X-RX!“ Achtung, Verwechslungsgefahr: Es waren SUONO. Um 19 Uhr öffneten sich schließlich die Türen, und wir gingen die Treppe hinauf in den Rockpalast, bereit für einen Abend voller harter Beats.
AGNIS
Das Projekt AGNIS war für uns an diesem Abend noch ein unbeschriebenes Blatt, und genau darin liegt immer ein besonderer Reiz. Bands zu entdecken, die man noch nicht auf dem Schirm hatte, gehört zu den schönsten Seiten eines Konzertabends. Bei unserer Ankunft steckte die Künstlerin noch mitten im Soundcheck, und schon die wenigen Takte, die dabei durch den Saal hallten, klangen vielversprechend. AGNIS landete noch vor dem ersten offiziellen Ton direkt auf unserer persönlichen Merkliste.
Hinter AGNIS steckt die polnische Musikerin, Produzentin und Sängerin Agnieszka Leśna, die zuvor bereits bei Desdemona und Red Storm aktiv war. Ihren Stil bezeichnet sie selbst als „Witchpop“, und treffender könnte man es kaum formulieren. Heller, klarer weiblicher Gesang trifft hier auf harte, treibende Beats, und genau dieser Kontrast entfaltet live eine enorme Wirkung. Die Stimme schwebt beinahe ätherisch über dem wuchtigen elektronischen Fundament, während die Beats unerbittlich nach vorne drücken. Magisch und brachial zugleich – eben Witchpop.
Als Opener eines so energiegeladenen Abends hat man es naturgemäß nicht immer leicht. Der Rockpalast füllte sich erst nach und nach, viele Besucher trudelten noch ein oder versorgten sich an der Theke. AGNIS ließ sich davon jedoch nicht beirren und zog ihr Set mit sichtbarer Hingabe durch. Mit jedem Song fanden mehr Gäste den Weg vor die Bühne, die Köpfe begannen zu nicken, und erste Tanzbewegungen machten sich breit.
Für uns war dieser Auftritt eine echte Entdeckung. AGNIS zeigte, dass sie mit ihrem eigenen Sound eine Lücke zwischen dunklem Pop und hartem Elektro besetzt, die man so nicht alle Tage hört. Wer sie an diesem Abend verpasst hat, sollte das unbedingt nachholen. Und wer aufmerksam blieb, durfte sich später am Abend sogar noch auf ein Wiedersehen freuen.
Suono
Mit SUONO wurde es im Rockpalast spürbar voller, und der Sound schlug eine deutlich härtere Gangart ein. Kaum hatten die ersten Beats eingesetzt, war klar: Die Aufwärmphase ist vorbei. Die Band lieferte vom ersten Moment an kompromisslosen, druckvollen Elektro, der die Menge vor der Bühne sofort in Bewegung versetzte. Wer beim Einlass noch geglaubt hatte, die Jungs von X-RX gesichtet zu haben, wusste spätestens jetzt ganz genau, wen er da vor sich hatte.
Schnell wurde deutlich, dass viele Besucher gezielt wegen SUONO nach Bochum gekommen waren. Die Songs wurden lautstark gefeiert und Refrains mitgeschrien, und die Fläche vor der Bühne verwandelte sich in ein Meer aus springenden Körpern und in die Luft gestreckten Armen. Die Band nahm diese Energie dankbar auf und gab sie zurück. Genau dieses Wechselspiel zwischen Bühne und Publikum macht einen Konzertabend in unserer Szene aus, und bei SUONO funktionierte es von der ersten bis zur letzten Minute.
Damit war auch die Frage beantwortet, ob harter Elektro in den Rockpalast passt. Die anfängliche Skepsis gegenüber der ungewöhnlichen Location war längst verflogen. SUONO hielten die Spannung über das gesamte Set hinweg hoch und steigerten sie kontinuierlich weiter. Kein Durchhänger, kein Leerlauf, sondern ein Set wie aus einem Guss.
Den Reaktionen im Saal nach war dieser Auftritt für viele der Favorit des Abends. Den Abschluss bildete „Fick mich jetzt und fick mich hart“, und was dann folgte, lässt sich nur mit einem Wort beschreiben: Eskalation pur. Jede Zeile wurde aus voller Kehle mit gebrüllt, und für ein paar Minuten gab es im Rockpalast kein Halten mehr.
Für uns persönlich war dieser Moment ein besonderer. Genau durch diesen Song sind wir vor Jahren überhaupt erst auf SUONO aufmerksam geworden, und seitdem hat uns die Band nicht mehr losgelassen. Ihn nun live mit einem derart entfesselten Publikum zu erleben, war ein echtes Highlight. SUONO verabschiedeten sich unter lautem Applaus und hinterließen einen Saal, der bereit war für mehr. Die Messlatte für den Rest des Abends lag damit verdammt hoch.
Synthattack
Wo SUONO aufgehört haben, machten SYNTHATTACK nahtlos weiter, und die Stimmung stieg noch ein Stück weiter. Von Umbaupausen-Müdigkeit war im Rockpalast keine Spur. Kaum standen die Musiker auf der Bühne, wurde die Menge erneut mitgerissen, und es war sofort klar, dass hier niemand vorhatte, einen Gang zurückzuschalten.
Den Auftakt machte „Addicted to the Thrill“, ein Titel, der die Gefühlslage des Abends kaum treffender hätte zusammenfassen können. Mit „I Can’t Get No Sleep“ und „Enjoy the Pain“ ging es direkt weiter, und spätestens bei „Rave the Grave“ hatte sich der Saal in einen brodelnden Hexenkessel verwandelt. Die Beats donnerten, das Licht zuckte, und vor der Bühne wurde getanzt, als gäbe es kein Morgen.
Mit „Untamed“ legte die Band nach, bevor mit „Elektro in My Body“ ein erstes großes Highlight folgte: Unterstützt von BASSCALATE wurde der Song zu einem echten Gemeinschaftsmoment, der das Publikum zusätzlich anstachelte. Solche Kollaborationen sind es, die einen Tourabend von einem gewöhnlichen Konzert unterscheiden, und die Freude darüber war im ganzen Saal spürbar.
SYNTHATTACK setzen aber nicht nur auf Sound, sondern auch auf Show. Bei „There Is No God“ betraten Tänzerinnen in Nonnenkostümen die Bühne und verwandelten den Song in ein provokantes, düsteres Gesamtkunstwerk. Eine starke Inszenierung, die perfekt zur Ästhetik der Band passt und für zahlreiche gezückte Handys im Publikum sorgte. Genau solche visuellen Elemente heben einen Auftritt auf ein neues Level, und hier ging das Konzept voll auf.
Thematisch blieb es im Anschluss angenehm finster. „In Hell“, „Death Is Always on My Mind“ und „Meet My Demons“ folgten Schlag auf Schlag. Bemerkenswert war, wie mühelos SYNTHATTACK über ein derart langes Set hinweg keinerlei Durchhänger aufkommen ließen. Jeder Song saß, jeder Übergang war präzise, und das Publikum ging bei jedem Titel aufs Neue mit.
Mit „Immortal“ setzte die Band zum Endspurt an, bevor „This Is How I Die“ den Rockpalast endgültig in einen einzigen tanzenden, schwitzenden Organismus verwandelte. Die Band genoss diesen Anblick sichtlich. Den Schlusspunkt setzte „Life Is a Bitch“, ein Rausschmeißer, wie er im Buche steht, der noch einmal lautstark gefeiert und frenetisch beklatscht wurde.
SYNTHATTACK lieferten an diesem Abend eine Performance ab, die musikalisch druckvoll und visuell durchdacht war und von einer starken Bühnenpräsenz getragen wurde. Die Kombination aus kompromisslosen Beats, finsterer Thematik und liebevoll inszenierten Showelementen machte diesen Auftritt zu einem der eindrucksvollsten des Abends. Wer hier nicht getanzt hat, war vermutlich im falschen Konzert oder gleich in der Matrix nebenan.
Extize
Als letzte Band des Abends betraten schließlich EXTIZE die Bühne. Wer befürchtet hatte, dem Publikum könnte nach drei energiegeladenen Auftritten langsam die Puste ausgehen, wurde eines Besseren belehrt. Die Stimmung blieb hoch, und die Fans waren weiterhin voll bei der Sache.
Mit „Techno Viking“ legten EXTIZE einen Einstieg hin, der keine Fragen offenließ. Es folgten „Medievil“ und „Gothy Cool“, bei denen das Publikum vom ersten Takt an mitging. EXTIZE verbinden harte Industrial-Sounds mit einem gehörigen Augenzwinkern, und genau diese Mischung sorgte für ausgelassene Stimmung im gesamten Saal. Mit „Dirty Evil Women“ und „Gothbusters“ ging die Party nahtlos weiter, und spätestens jetzt stand kaum noch jemand still.
Im Gepäck hatte die Band außerdem zwei neue Songs, die live bereits hervorragend funktionierten. Beim neuen Stück „Swipe Me to Mars“ gab es dann einen echten Gänsehautmoment: AGNIS betrat erneut die Bühne und sang gemeinsam mit EXTIZE. Auf der Leinwand erschien dazu ein roter Mond mit dem AGNIS-Schriftzug, ein stimmungsvolles Bild, das diesen Moment perfekt einrahmte. So schloss sich der Kreis zum Beginn des Abends, und die Künstlerin, die für viele zu Beginn noch unbekannt war, wurde nun gebührend gefeiert. Mehr über die neuen Songs verraten wir an dieser Stelle nicht, denn wer die Tour noch besucht, soll sich selbst überraschen lassen.
Mit „I Don’t Wanna Be Me“ und „Guns, Gasoline and Cowbells“ ging es anschließend in die Zielgerade. Gerade letzterer Song entfachte noch einmal ein wahres Feuerwerk vor der Bühne. Mit „Industrial Combat“ endete zunächst das reguläre Set. Als Zugabe folgte „Industrial Swing“, bei dem zwei mutige Gäste mit auf der Bühne tanzen durften, ein sympathischer Abschluss, der den Rockpalast ein letztes Mal zum Beben brachte.
EXTIZE bewiesen an diesem Abend eindrucksvoll, warum sie zu den spannendsten Acts der Szene gehören: mitreißende Songs, unbändige Spielfreude und ein feines Gespür für besondere Momente.
Fazit
Nach vier Auftritten endete ein bewegungsreicher Abend voller harter elektronischer Sounds. Die anfängliche Skepsis gegenüber der Location hat sich als unbegründet erwiesen: Der Rockpalast und harter Elektro passen hervorragend zusammen. Gerne wieder! Wer danach noch Energie übrig hatte, konnte sie auf der Aftershowparty loswerden. Weitere Tourdates der ELECTRO EVIL RIOTS TOUR findet ihr in unserem Tourkalender.
Kommentare